
Nur durch einen kleinen Korridor (an der schmalsten Stelle ist er ca. 23 km eng) gelangt man auf dem Landweg von Restindien zu den sogenannten 7 Schwestern, d.h. den sieben Bundesstaaten ganz im Nordosten: Arunachal Pradesh, Assam, Nagaland, Manipur, Meghalaya, Mizoram und Tripura. Trotz ihrer Verschiedenheit werden sie oft gemeinsam aufgeführt und dem schließen wir uns auf dieser Webseite an. Als großes Gebiet kann man die Gegend auch einheitlich betrachten, es gibt diverse Gemeinsamkeiten.
Trotz einer Breite von 3.000 km hat Indien nur eine Zeitzone. Das bedeutet, dass die Sonne im Osten sehr früh auf- und wieder untergeht. Man steht also eher frühzeitig auf um den Tag zu nutzen und kehrt früh von Besichtigungen zurück um nicht in Dunkelheit zu geraten. Ein anderer Rhythmus als gewohnt.
Der Nordosten, zu dem im gewissen Sinne auch das heutige Bangladesh gezählt hat, wartet mit vielen Besonderheiten auf. Außer Assam ist es geprägt von Menschen und Kulturen, die mit „Restindien“ nicht so viel gemein haben. Die Menschen sehen anders aus, haben andere kulturelle Eigenheiten und auch eine andere Kolonialgeschichte. Die Berggebiete sind schwer zugänglich, die Stämme eigen und so blieben sie lange Zeit unbehelligter. Hätten sie gemeinsam handeln können, würden sie ggf. nicht zu Indien gehören, sondern einen eigenen Staat bilden. So aber konnten die Briten doch eigene Interessen wahren mit den Grenzen zu Tibet/China und Myanmar, Assam wirtschaftlich für Teeanbau nutzen, die Hügel von Shillong als Hill Station ausbauen und die indigene Bevölkerung „studieren“ (hier förderten sie tatsächlich eher Eigenständigkeit und Bewahrung als woanders in Indien). Sie bauten eine Verwaltung aus – und das wurde dann von Indien nach der Unabhängigkeit schrittweise übernommen.
Reisende finden hier eine Gegend vor, die enorm reich ist an verschiedenen Kulturen, Geschichte, Landschaft – und wenigen anderen (westlichen) Reisenden. Man wird üblicherweise freundlich empfangen – oder auch in Ruhe gelassen. Das Reisen ist ein wenig beschwerlicher, und Unterkünfte, Straßen sowie Restaurants sind einfacher als in vielen Gegenden Indiens. Belohnt wird man mit interessanten Einblicken in einen Teil Indiens, der anders ist – und doch zu dem riesigen Land dazu gehört.
Hier finden Sie Infos zu verschiedenen Aspekten und Reiseideen, die wir Ihnen in Ihre Reise integrieren können. Genaueres zu den einzelnen Gegenden finden Sie auf einer separaten Seite. Es lassen sich unzählige Kombinationen aus Gebieten, Unterkünften, Wanderungen, Besichtigungen, Begegnungen, Aktivitäten usw. zusammenstellen.
Um diese Seite hier nicht zu groß werden zu lassen, haben wir die Vorstellung der einzelnen Bundesstaaten auf einer anderen Seite zusammengefasst. Dort erfahren Sie mehr über die Eigenheiten und die touristischen Möglichkeiten der verschiedenen Gegenden. Wir sind gespannt, wo es Sie am meisten hinzieht!

Im ganzen Nordosten Indiens gibt es keinen internationalen Flughafen – man fliegt also überlicherweise über Delhi oder Kolkata. Der größte Flughafen mit besten Verbindungen ist Guwahati in Assam. Weitere interessante Flughäfen sind Dibrugarh und Jorhat in Assam, Dimapur in Nagaland, Agartala in Tripura und Aizawl in Mizoram. Etwas eingeschränkten Flugbetrieb bieten Itanagar in Arunachal Pradesh und Shillong in Meghalaya.
Eine weitere Ankunftsmöglichkeit ist die Bahn – allerdings gibt es eigentlich nur eine Verbindung ab New Jalpaiguri (West Bengal), die nach Assam führt. Und die Reisezeit ist immer lang. Aber wer gerne per Bahn mehr von Indien erfährt, kann das eine durchaus sehr interessante (An)Reiseform sein. Innerhalb Assams kann man auch gut die Bahn nehmen – incl. Dimapur in Nagaland.
Somit sind die Anreiseformen etwas eingeschränkt. Innerhalb des Nordostens bewegt man sich praktischerweise am besten per Auto. Auch wenn viel gebaut und verbessert wird, gerade die eher schlechten Gebirgsstraßen zwingen einem eine langsame Fortbewegung auf. Auch hier ist Assam wieder am einfachsten wegen der weiten Ebene.
Und auch bei einer weiteren Fortbewegungsart punktet Assam: dem Boot. Es gibt Fähren über den Brahmaputra und auch tagelange Flusskreuzfahrten auf bequemen größeren Schiffen. Brückenbau schränkt die Notwendigkeit der Flussquerungen ein, aber wo keine sind, ist eine Fährfahrt eine nette Sache. Die Flusskreuzfahrten beinhalten natürlich interessante Stopps mit Landgängen.
Noch in den Kinderschuhen stecken Ausflüge per Fahrrad, aber zumindest auf Majuli in Assam ist das eine gute Möglichkeit der Fortbewegung abseits der Straßen.

Da der Tourismus eher noch in den Kinderschuhen steckt, ist auch das Unterkunftsangebot begrenzt. In den größeren Orten und wo es schon ausreichend Tourismus gibt (wie zB in Kaziranga), hat man eine sehr gute Auswahl in verschiedenen Kategorien, aber abseits davon muss man manchmal vorlieb nehmen mit dem, was da ist. Es gibt durchaus gute und schöne Hotels, Gästehäuser und Homestays, aber nicht überall.
Aber keine Sorge, wir wissen, wo Sie gut unterkommen und arrangieren Ihnen bequeme und interessante Aufenthalte.

Kulinarisch wartet der Nordosten mit Vielfalt auf. Nagaland hat den höchsten Pro-Kopf-Fleischkonsum in Indien und ist bekannt für etwas ausgefallenere Kost wie Hund, Frösche und Bamboo Worms. Diese werden auf den Märkten angeboten – wer mag, kann gerne probieren! Ansonsten wartet es mit Bambussprossen auf – eine lokales Grundnahrungsmittel. Vegetarisch ist hier tatsächlich ein bisschen schwieriger als in den anderen Gebieten – aber natürlich nicht unmöglich.
Bambus und Soja kommt auch in den anderen Bundesstaaten oft auf den Tisch. Arunachal Pradesh hat tibetisch beeinflusste Küche mit Thukpa und Momos, in Assam ist die Nutzung von Senföl verbreitet (und es gibt Fisch!), Schweinefleisch ist hier insgesamt gut verbreitet – und am besten schmeckt es, wenn direkt bei den Familien lokal gekocht wird. Gerne arrangieren wir Ihnen solche Mahlzeiten.
Nagaland und Mizoram sind sogenannte „Dry States“, d.h. es gibt keine offiziellen Stellen zum Einkauf von Alkohol. Private Hausbrauereien bescheren trotzdem ein gutes Angebot, welches man aber auch nur privat erwerben kann. Ausnahme: Beim Hornbill-Festival gibt es alles zu kaufen.
Und natürlich sollten Sie den berühmten kräftigen Assam-Tee probieren!

Der Nordosten Indiens ist eine der ethnisch vielfältigsten Regionen des Subkontinents. Über 200 Stämme leben hier, viele mit eigener Sprache, Religion und sozialer Struktur. Sie sind häufig politisch autonom organisiert und haben großen Einfluss auf Kultur und Landschaft der Region. Der Unterschied zu „klassischem“ Indien ist deutlich sichtbar: Matrilinearität (Meghalaya), Christentum (Nagaland) oder animistische Religionen (Arunachal Pradesh) und Dorfstrukturen prägen das Leben.
Politisch ist das insofern bedeutsam und interessant, dass hier der Sixth Schedule Anwendung findet, eine Gesetzgebung in der Verfassung Indiens, die auf den Schutz von Tribals abzielt. Diese findet in den jeweiligen Bundesländern unterschiedliche Anwendung, basierend auf dem Artikel 371. Manche Bundesstaaten haben eine spezielle autonome Verwaltungseinheit – interessant ist immer, inwieweit über Geld direkt verfügt werden kann und wie es um die Landrechte bestellt ist.
Besonders anziehend finde viele Reisende, dass diverse Stämme früher Kopfjäger waren. Davon ist heute aber nichts mehr übrig – außer in den Erzählungen.
Größter Anziehungspunkt ist in dieser Hinsicht das 10-tägige Hornbill-Festival in Nagaland, wo alle dortigen Naga-Stämme zusammen kommen.
Wir können eine Reise mit besonders vielen Begegnungen ausstatten – oder auch nur sporadisch. Begegnen werden Sie Menschen mit indigenem Hintergrund auf jeden Fall.

Außerhalb der großen Brahmaputra-Ebene ist der Nordosten Indiens überwiegend bergig. Das geht vom über 7.000 m hohen Kangto in Arunachal Pradesh über das einzigartige Dzukou-Valley in Nagaland bis zum „Schottland Indiens“, dem grünen Bundesstaat Meghalaya. Das bietet Wandermöglichkeiten! Allerdings ist eine Art Trekkinginfrastruktur außer in Arunachal Pradesh nicht wirklich existent.
In Arunachal Pradesh können wir klassisches mehrtägiges Zelttrekking arrangieren – bitte kontaktieren Sie uns um die Möglichkeiten zu erfahren (da sich oftmals Genehmigungen und Bedingungen ändern, haben wir hier nichts direkt aufgelistet). In Nagaland arrangieren wir einen 2-Tages-Trek in das Dzukou-Valley (man kann es auch als Tagestour machen, ist damit aber deutlich zeitlich limitierter).
Ansonsten gibt es überall die Möglichkeit von Tageswanderungen. Dabei sind speziell in Meghalaya die Living Root Bridges zu erwähnen, die keinen Straßenzugang haben, sondern die nur zu Fuß erreichbar sind. Ein rutschiges, aber spannendes Erlebnis! Außerdem kann man Wasserfälle, Dorfbesuche und Aussichtspunkte im gesamten Gebiet in Wanderungen integrieren.

Religion ist weder ein einheitliches noch ein einfaches Thema im Nordosten Indiens. Während Nagaland fast vollständig christlich missioniert wurde (und auch gerne selber weiter missioniert), Meghalaya dem nur wenig nachsteht, erstarkt in institutionalisiert sich in Arunachal der indigene Donyi Polo Glaube und in Assam hat sich der Hinduismus (mit der besonderen Form des Vaishnavismus in Majuli) flächig etabliert. Außerdem gibt es überall kleinere Glaubensgemeinschaften von Moslems, Buddhismus (besonders in West-Arunachal Pradesh) und Sikhismus.
Auch existieren weitere animistische Glaubensrichtungen bei diversen indigenen Stämmen im gesamten Gebiet. Vielfach wurden Glaubenselemente in die größere Religion mitgenommen, als man konvertierte. In Arunachal gibt es ein Anti-Konversionsgesetz, welches momentan heftig eingefordert und umkämpft wird.
Die Beschäftigung mit der Religion ist definitiv außerordentlich spannend – sei es der begeisterte Überlauf zum Christentum in Nagaland (ein sehr spezielles interessantes geschichtliches Phänomen), einer der wenigen Weiblichkeit verehrenden Hindutempel in Guwahati (Ma Kamakhya), die speziellen Vaishnavismus-Ashrams auf Majuli oder eben auch die lebendige Tradition des Donyi Polo Glaubens, wo Sonne und Mond und Geister einen „Gott“ ersetzen.

Der gesamte Nordosten hat keine Millionenstadt – auch wenn Guwahati schon nah daran kratzt. Und auch wenn es viele Kleinstädte gibt, ist die Gegend insgesamt eher ländlich. Was liegt also näher, als sich diese Dörfer auf einer Reise mal genauer anzuschauen. Entweeder macht man einen Tagesausflug in ein Dorf, oder besucht eines während einer Überlandfahrt – oder nächtigt in einem! So lässt sich das Dorfleben natürlich am intensivsten erleben. Allerdings gibt es noch nicht so viele Dörfer mit Übernachtungsmöglichkeiten – aber wir hätten da einige Vorschläge bei einer konkreten Tourplanung ….
Insbesondere indigene Gemeinschaften leben in Dörfern. Und da ist es interessant, wie unterschiedlich sie organisiert sind, wie der Hausbau an die jeweiligen Lebensbedingungen angepasst wird, welche Handwerkertätigkeiten schwerpunktmäßig ausgeübt werden, wie Entscheidungen getroffen werden, welche Land- und Viehwirtschaft wie betrieben wird, welche Herausforderungen zu bewältigen sind usw. Alleine die verschiedenen Formen von Reisanbau mit über 100 verschiedenen Reissorten sind sehr spannend (hier sind die Apatani-Gemeinschaften in Arunachal Pradesh hervorzuheben, die eine ganz spezielle Form ausüben).
Besonders spannend ist immer zu hören, wie auf die (modernen) Veränderungen reagiert wird. Was verändert sich durch neue Straßen, Produktionsformen, Kommunikationsmedien, Politik, Straßenbau usw. Welche Traditionen halten sich, was verändert sich? Wer ist noch im Dorf und wer wandert in Städte ab. Wie sind die Einflüsse der Leute, die woanders studiert und/oder gearbeitet haben? Da englisch nicht überall verbreitet ist, arrangieren wir gerne jemanden zum übersetzen bzw. Sie haben sowieso einen Guide dabei, der hilft.
Neben den ganzen „Lern- und Erfahrungsaspekten“ ist ein Dorfaufenthalt auch immer eine gute Gelegenheit, einen langsameren Rhythmus zu genießen, sich an der Einfachheit des Lebens zu erfreuen, zur Ruhe zu kommen und der Natur zu lauschen.

Das bekannteste und berühmteste Festival im Nordosten ist das 10-tägige Hornbill-Festival in Nagaland – ein absoluter Publikumsmagnet. Es findet die ersten Dezembertage statt und durch die lange Zeit verteilt sich das Publikum auch ganz gut. Ein großes Programm im Stadion und viele kleine Darbietungen im dazugehörigen „Naga-Dorf“ und drumherum bieten Entertainment für 1-2 Tage.
Weniger bekannt sind zahlreiche lokale Feierlichkeiten der verschiedenen Naga-Stämme. Einige sind gut erreichbar, zu angenehmen Reisezeiten und sehr interessant. Hier begegnet man kaum anderen Reisenden. Als Beispiele sind zu nennen Sekrenyi der Angami im Februar, Moatsu Mong der Ao im Mai, Tokhü Emong der Lotha im November und Aoling der Konyak im April. Wir schauen gerne, ob wir ein Festival in Ihre Reise einplanen können.
In Arunachal Pradesh wird am 1. Dezember der Indigenous Faith Day gefeiert, ein Fest neueren Datums zur Stärkung der politischen Identität. Auch in Arunachal Pradesh gibt es verschiedene Festivitäten der Stammesbevölkerung. Hier ist besonders das Myoko Festival der Apatani im März/April zu nennen, welches mehrere Wochen dauert.
In Meghalaya wird man beim Frühlings- (Shad Suk Mynsiem) und Herbstfest (Wangala) interessante Zeremonien miterleben können.
Die üblichen ganz-indischen Feste wie Holi, Diwali und Dussehra gibt es nur in Assam mit einer größeren hinduistischen Bevölkerung. Republic- und Independence Day wird jedoch überall gefeiert – mal mehr mal weniger prominent. Dafür wird Weihnachten und Ostern in den christlich geprägten Gegenden groß gefeiert.
Neben diesen genannten Festivals gibt es weitere Feierlichkeiten überall – sagen Sie uns Bescheid, inwieweit wir ihren Tourplan danach ausrichten sollen.

Über m/eine Reise nach Nagaland, Assam und Arunachal Pradesh in 2025: