NORDOSTINDIEN – GEGENDEN

 

 

 

Statt Gegenden könnte man natürlich auch „Bundesstaaten“ schreiben. Es gibt 7 davon, die 7 Schwestern genannt. Und wie es so mit Schwestern ist, haben sie Ähnlichkeiten – und viele Verschiedenheiten. Wir beschreiben die vier wichtigsten für den Tourismus etwas ausgiebiger, die anderen drei sind zusammengefasst.

Arunachal Pradesh

Der nördlichste Bundesstaat der sieben Schwestern ist Arunachal Pradesh. Durch Grenze mit umstrittenen Abschnitten zu Tibet/China darf man a) nicht überall hin, b) braucht ein Permit und c) bekommt dieses auch nur, wenn man mindestens 2 ausländische Reisende beisammen hat. Aber wenn diese Hürden genommen sind, stehen einem recht viele interessante Ortschaften und Gegenden offen, um einen guten Einblick zu bekommen.

 

Arunachal Pradesh hat Höhen zwischen 150 m und 7.090 m und damit eine vielfältige Flora und Fauna. Mit 17 EinwohnerInnen pro qkm ist es sehr dünn besiedelt. 26 Hauptstämme mit ungefähr 100 Unterstämmen machen das Gebiet auch hier sehr vielfältig. Verschiedene Begegnungsarten (geführte Spaziergänge, Essen, Kochen, Gespräche, Handwerk, Feldarbeit) können das Herz einer Reise hierhin sein.

 

Ein Hauptmagnet ist das Tawang-Kloster, das zweitgrößte buddhistische Kloster nach dem Potala in Lhasa. Es wurde im 17. Jhdt. erbaut und gehört der Gelugpa-Sekte an. Auf ca. 3.000 m gelegen lässt es einen etwas nach Luft schnappen, bietet aber in der Umgebung noch weitere reizvolle Orte. Für die Strecke in West-Arunachal Pradesh kann man gut Zeit einplanen und hat weitere Attraktionen wie Monpa-Dörfer, Bomdila-Kloster, Sela-Pass, Dirang Chu Tal, Hochweiden, Seen und Wasserfälle. Tageswanderungen sind hier gut möglich.

 

Wenn man sich weiter nach Osten bewegt, kann man entweder zurück zur Brahmaputra-Ebene und dann über die Hauptstadt Itanagar nach Ziro gelangen (und hat dort viele weitere Gelegenheiten für interessante Stopps) oder an einem langen Fahrtag auf dem NH 13 durch „leere Landschaft“. Hier kann man Orte „nachholen“, die man auf der Hinfahrt ausgelassen hat. NaturliebhaberInnen finden im Pakke Tiger Reservat eine große Vielfalt vor – allerdings keine garantierten Tiger-Sichtungen.

 

Das Ziro-Tal ist ein großes hübsches Tal auf ca. 1500 m und Heimat der Apatani, eines recht eigenen Volkes, die viele Traditionen bewahrt haben. Hier kann man gut Dorfspaziergänge unternehmen.

 

Weiter geht die Fahrt in den Osten über Daporijo und Aalo nach Pasighat. Hier locken viele Dörfer mit Stammesgemeinschaften wie Nyishi, Hill-Miri, Adi Galong und Galong. Von Aalo gibt es auch die Möglichkeit, weiter in den Norden in das Mechuka-Tal zu fahren. Die ganze Gegend ist geprägt von Einsamkeit, Natur und kleinen Dörfern. Die touristische Infrastruktur ist sehr gering ausgebaut – mit dem Vorteil, wenigen anderen Reisenden zu begegnen.

 

Für die Integration von Tages- bis Mehrtageswanderungen gibt es ebenfalls Möglichkeiten. Arunachal ist definitiv ein interessantes Ziel für schöne Berglandschaft, Begegnungen in Dörfern und der spannenden Geschichte eines Bundesstaates mit Grenzen zu Tibet/China und Myanmar. Buddhismus, Donyi-Polo-Glaube und christliche Missionierungen bieten interessante Einblicke in die Kulturlandschaft einer selten besuchten Region Indiens.

 

Assam

Direkt unterhalb von Arunachal Pradesh liegt Assam – bei uns zB bekannt durch den beliebten Assam-Tee. Den kann man hier nicht nur trinken, sondern auch bei der Ernte und/oder Verarbeitung zuschauen. Durch den Anbau der Teepflanzen hat Assam eine etwas andere Kolonialgeschichte als die anderen Nordost-Staaten – die Briten hatten hier somit ein immenses Interesse an Land. Sie bauten Plantagen aus, holten Hilfskräfte ins Land und verbesserten die Infrastruktur.

 

Durch die riesige flache Fläche des Brahmaputra-Tals war Assam auch leichter zugänglich und somit ist das Reisen dort etwas bequemer als in den anderen Gebieten. Assam ist entlang des Brahmaputra sehr lang gestreckt und hat einen bedeutenden weiteren Zipfel in den Süden bis zur Grenze von Tripura und Mizoram.

 

Erster bedeutender Ort und meist auch Anfangs- und/oder Endpunkt einer Reise ist Guwahati. Westlich und nordwestlich davon gibt es interessante Orte, wo man der Produktion und Verarbeitung verschiedener Seidenstoffe besichtigen kann. In Guwahati selbst sind hauptsächlich der Maa Kamakhya- (Verehrung der Weiblichkeit) und der Umananda Tempel (auf einer Insel im Brahmaputra) interessant.

 

 

Der Kaziranga-Nationalpark ist eine kurze Tagesreise entfernt und bietet garantierte Panzernashorn-Sichtungen vom Elefantenrücken oder Jeep aus. Daneben gibt es noch weitere interessante Tiere, und frühmorgendlich hat man gute Sichtungschancen bei einer Vogelbeobachtungstour. Hier gibt es auch ein interessantes kommunal betriebenes lebendiges Museum der assamesischen Kultur mit einer großen Orchideensammlung sowie ein engagiert betriebenes Oldtimer-Museum.

 

Weiter nach Osten gelangt man über Jorhat mit dem Hoollongapar-Park (Weißbrauengibbons) zur großen Flussinsel Majuli. Majuli hat einen zauberhaften Flair mit vielen Klöstern der Vaishnaviten, auch berühmt für Maskenbau, Tanz, Musik und Bildung. Auf Radtouren und Spaziergängen lassen sich gut kleinere Dörfer der Mising entdecken, eine traditionelle Mahlzeit rundet das Erlebnis ab.

 

 

Weiter geht es nach Westen mit viel „klassischem Assam“ – hier gibt es Geschichte zu entdecken (Sibsagar, ehemalige Hauptstadt des Ahom-Reiches), Teeplantagen, die große Flusslandschaft des Oberlaufs des Brahmaputras, die älteste Ölraffinerie mit Museum in Digboi und auch kleinere buddhistische Stätten wie in den Ortschaften wie Namphake und Umgebung. Außerdem gibt es weitere Nationalparks für Tier- und Pflanzensichtungen wie den Dehing Patkai, einem tropischen Tiefland-Regenwald oder den Dibru-Saikhowa Nationalpark mit Wildpferden.

 

Der südliche Zipfel Assams umfasst das Barak-Tal (Cachar, Hailakandi, Karimganj) und das Bergland von Dima Hasao mit Haflong. Das Tiefland ist fruchtbar, stark bengalisch geprägt und von Hinduismus und Islam dominiert, Zentrum ist Silchar. Die Hügelregion ist dünn besiedelt, bewaldet und Heimat zahlreicher indigener Gruppen wie Dimasa oder Zeme Naga, mit eigener Sprache, Kultur und Religion. Haflong, Assams einzige Hill Station, bietet kühles Klima, Seen, Berge und spektakuläre Bahnstrecken (es gibt Verbindungen von Guwahati). Insgesamt verbindet die Region Flusslandschaften, indigene Kultur und unberührte Natur, bleibt touristisch wenig erschlossen und zeigt Assams Vielfalt in komprimierter Form.

Nagaland

Der Bundesstaat Nagaland liegt im äußersten Nordosten Indiens an der Grenze zu Myanmar und unterscheidet sich kulturell deutlich vom übrigen Land. Die hügelige, stark bewaldete Region ist Heimat zahlreicher Naga-Stämme, die jeweils eigene Sprachen und Traditionen pflegen. Anders als in weiten Teilen Indiens ist die Bevölkerung überwiegend christlich geprägt – ein Ergebnis der britischen Missionsarbeit. Die Kolonialzeit wird hier vergleichsweise nüchtern und teils positiv bewertet, da die Briten weniger auf direkte Herrschaft setzten als in vielen anderen Teilen Indiens und stattdessen auf Mission, Bildung und Verwaltung durch lokale Strukturen. Missionare führten Schulunterricht ein und entwickelten Schriftsysteme für zuvor ausschließlich mündliche Sprachen, was erstmals überregionale Kommunikation sowie Zugang zu Bildung und Verwaltung ermöglichte. In der Folge fühlen sich viele Nagas kulturell weniger mit dem „Restindien“ verbunden als mit ihrer eigenen Stammesidentität – und das Christentum ist als gemeinsamer Bezugsrahmen bemerkenswert stark verankert.

 

Startpunkt für eine Reise nach Nagaland ist meistens Dimapur – eine Stadt mit Flughafen, Bahnhof, tollem lokalen Markt und einer speziellen Sehenswürdigkeit: den speziell gestalteten Monolithen in den Kachari-Ruinen. Von hier aus gelangt man leicht in die Hauptstadt Kohima. Kohima bietet den legendären War-Cemetary, das Nagaland State Museum und lokale Märkte und ist idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung zB in die Dörfer Khonoma und Kigwema der Angami-Nagas. Auch ist hier das berühmte Hornbill-Festival im Dezember. 

 

Zu den Lothas nach Wokha gelangt man ebenfalls mit einem Tagestrip. Hier bieten Dörfer und Landschaften einen guten Einblick in den Lebensalltag.

 

Eine landschaftliche Besonderheit ist das Dzukou-Valley, welches unweit von Kohima liegt und bei einer 1- bis 2-Tagestour wandernd besichtigt werden kann. Auch der Japfu Peak, mit 3.048 m der zweithöchste Berg Nagalands, befindet sich in der Gegend und kann erklommen werden.

 

 

Von Kohima aus kann man gut auf schmalen kurvenreichen Straßen nach Mokokchung fahren, Zentrum des Nagastammes Ao. Hier lohnt ein Stopp zur Erkundung der schönen Landschaft und einiger Dörfer. Weiter geht es dann in das Mon-Gebiet bis zur Grenze nach Myanmar. Auf dem Weg dahin liegen Gebiete der Phom, Chang und Yimkhiung. Diese abgelegene hügelige bewaldete Gegend ganz am Ende ist Heimat der Konyak, einem ehemals besonders kriegerischen Naga-Stamm. Hier hat sich noch recht viel an traditioneller Bauweise vorhanden. Touristisch ist das Gebiet kaum erschlossen, Unterkünfte und Infrastruktur sind einfach. Insgesamt bietet das Mon-Gebiet einen seltenen Einblick in ursprüngliche indigene Kultur und abgelegene Berglandschaften, weit abseits der üblichen Reiserouten.

 

Nagaland ist eine gute Reisedestination für Interessierte an traditionellen Stammesgebräuchen, deren Übergang in die Moderne, kombiniert mit schönen Landschaftserlebnissen und einer speziellen Historie.

 

Meghalaya

Meghalaya liegt südlich von Assam und ist einer der landschaftlich eindrucksvollsten Bundesstaaten Nordostindiens. Der Name bedeutet „Wohnsitz der Wolken“, was gut zu den grünen Hochebenen, tiefen Schluchten und extrem hohen Niederschlägen passt. Bekannt ist Meghalaya für Wasserfälle, Höhlen, lebende Wurzelbrücken und sanfte Berglandschaften rund um Shillong, der Hauptstadt. Eine Besonderheit sind die traditionell matrilinear aufgebauten Stammesgemeinschaften der Khasi, Jaintia und Garo.

 

Von Shillong ausgehend lassen sich Tages- und Mehrtagestouren unternehmen. Die Jaintia Hills im Osten haben nicht nur weitverzweigte Höhlensystem in den Bergen und imposante Wasserfälle sondern auch eine einzigartige Monolithen-Ansammlung in Nartiang. Weitere Monolithen befinden sich in den Khasi Hills rundum Shillong. Dieses regenreichste Gebiet (Cherrapunjee gilt als einer der niederschlagreichsten Orte der Welt) mit den schroffen und bewaldeten Bergen bietet eine sehr grüne einzigartige Landschaft. Hier sind auch die berühmten lebenden Wurzelbrücken zu finden, die man jedoch nur nach eher rutschigen Wanderungen erreicht. Im Westen sind die Garo Hills, ein wesentlich sanfteres Gebiet mit weniger spektakulären Landschaftserlebnissen, aber einer großen intakten Waldlandschaft mit hoer Biodiversität und einer kleinen Chance, einen roten Panda zu sichten.

 

Neben dem urbanen Shillong (das Don Bosco Museum gilt als bestes Ethno-Museum der ganzen Region) und den drei Gebirgsregionen mit den jeweiligen Stammesgemeinschaften ist noch das Umiam-Plateau mit dem Umiam-See nördlich von Shillong zu erwähnen.

 

 

Tripura, Mizoram und Manipur

 

Das wäre für uns auch absolutes Neuland…. Bzw. Manipur ist sowieso erst einmal tabu, da zu gefährlich wegen innerer Unruhen.

 

Tripura ist klein, dicht besiedelt und kulturell stark von Bengalen geprägt, mit ruhigen Palästen, Tempeln und archäologischen Stätten wie Ujjayanta Palace oder Unakoti; landschaftlich sanft, wenig touristisch, eher für kulturell Interessierte.

 

Mizoram dagegen ist ein echtes Bergland: steile, bewaldete Hügel, klare Luft, wenig Verkehr und eine ausgeprägt christlich-mizoische Kultur mit starker Gemeinschaftsorientierung. Reisen dort sind langsam, natur- und dorforientiert, mit Highlights wie Aizawl, Aussichtspunkten, Wanderungen und sehr authentischen Begegnungen.
Auch wenn wir selber noch nicht da waren – wir haben gute Leute vor Ort, die auch dorthin gut eine Reise arrangieren können!