Puja (Rajasthan)

Eine Freundin von mir wurde gestern operiert. Normalerweise lasse ich bei solchen Ereignissen gerne die alten buddhistischen Nonnen in Nyerma eine Puja machen. Diesmal dachte ich, ich frag mal einen Hindu-Menschen danach. Am Tag der OP kam dann der 80jährige Haapu Maharaj an seinem Stock herbeigehoppelt. Aus seinen Augen blitzte Witz und Warmherzigkeit. Seine Tasche starrte vor Schmutz. ich war zufrieden mit meiner Wahl. Aber er war nicht zufrieden mit dem Tag, den ich für die Puja auserkoren hatte: ganz ungünstig! Es sei aber ein sehr günstiger Tag, um die Kühe zu füttern! Ich solle doch 200 Rs. für Kuhfutter spenden. Die OP würde schon gut verlaufen, er käme dann am nächsten Tag für die Puja vorbei.

 

Pradhuman, der das Kuhfuttergeld zum Kuhasyl an der Straße nach Jodhpur vorbeibrachte, berichtete, dass es sich wohl rumgesprochen hatte mit dem guten Tag zum Kuhfutterspenden. Jedenfalls hatten die Kühe große Berge von Futter vor sich stehen und sahen schon oberpappsatt aus.

 

Heute morgen hatte ich eine Mailnachricht, dass die OP gut verlaufen sei. Nachmittags kam Haapu Maharaj wieder angehoppelt, schickte Inder Singh los, um die Zutaten zu besorgen, bereitete alles vor dem Innenhofaltar vor, zog ein eingewickeltes abgegrabbeltes Buch aus seiner schmutzigen Tasche und rezitierte mit seiner brüchigen Stimme. Das ganze Buch durch. Mindestens eine Stunde. Und guckte dabei manchmal so gütig und lieb unter den buschigen Augenbrauen hervor. Pradhumans Mutter kam und setzte sich hinzu. Es war sehr friedlich und schön.

 

Es war alles wie es sein sollte: Kühe obersatt, OP gut gelungen – und auch das danach verlief, wie man es sich nicht besser wünschen könnte.

 

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